Da sitzen sie also wieder. Politiker, Diplomaten, Wirtschaftsvertreter. Diesmal in Armenien, bei der Weltbiodiversitätskonferenz COP17. Und beraten darüber, wie man die Natur retten könnte. DIE NATUR! Dieses lästige grüne Zeug, das uns Sauerstoff, Nahrung, Wasser und überhaupt erst die Lebensgrundlage liefert!
Und wissen Sie, was das eigentlich Absurde ist? Ausgerechnet diejenigen, die am meisten von der Natur profitieren, behandeln ihren Erhalt wie eine unzumutbare Sonderausgabe!
Erst ausplündern, dann Krokodilstränen vergießen
Da werden Wälder gerodet, Meere überfischt, Böden ausgelaugt und Lebensräume zubetoniert. Und anschließend stellen sich dieselben Wirtschaftssysteme, die davon profitieren, hin und erklären uns, Naturschutz müsse vor allem eines sein: wirtschaftlich vertretbar!
JA, WAS DENN SONST NOCH?!
Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Bäckerei. Jeden Morgen reißen Sie ein Stück Ihres Backofens heraus, um es als Altmetall zu verkaufen. Und nach fünf Jahren wundern Sie sich, dass Sie keine Brötchen mehr backen können.
Genau so gehen wir mit unserem Planeten um. Nur dass wir keinen Ersatzofen bestellen können!
200 Milliarden für die Rettung – 500 Milliarden für die Zerstörung
Die internationale Staatengemeinschaft hat vereinbart, bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden Dollar für die biologische Vielfalt zu mobilisieren. Gleichzeitig sollen naturzerstörende Subventionen um mindestens 500 Milliarden Dollar pro Jahr reduziert werden.
Merken Sie etwas?
Wir müssen uns erst darauf verständigen, weniger Geld dafür auszugeben, unsere eigene Lebensgrundlage zu ruinieren!
DAS IST DOCH IRRSINN!
Und während die Diplomaten über Finanzierungsmodelle, Zielindikatoren und nationale Aktionspläne diskutieren, verschwindet die biologische Vielfalt weiter.
Die Natur hat keine Lobby – aber wir brauchen sie alle
Barbara Pompili spricht davon, zu retten, was noch zu retten ist.
Was für ein Satz! Als ginge es um den Räumungsverkauf eines Möbelhauses!
Die Natur ist kein Luxusartikel für Menschen mit Solaranlage, Lastenfahrrad und Bio-Gemüsekiste. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Landwirte überhaupt etwas ernten, Fischer Fische fangen und Unternehmen Rohstoffe verarbeiten können.
Natürlich brauchen Entwicklungsländer wirtschaftliche Perspektiven. Natürlich kostet Naturschutz Geld. Und natürlich lassen sich jahrzehntelang gewachsene Wirtschaftsstrukturen nicht über Nacht verändern.
Aber wer daraus ableitet, dass man mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen noch ein bisschen warten könne, verwechselt wirtschaftliche Vernunft mit kurzfristiger Buchhaltung.
Wir brauchen die Natur. Die Natur braucht uns nicht.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen Konferenz: Der Planet verhandelt nicht. Er reagiert.
Wenn wir das endlich begreifen, wäre schon mehr erreicht als mit hundert wohlklingenden Abschlusserklärungen.
Christine Macha